Was und wer steckt hinter dem Erfolg eines vor vier Jahrzehnten begründeten österreichisch-chinesischen Industrie-StartUps mit enger Verbindung ins Triestingtal? Für das Buch „SUNRise in Beijing“ suchte ich nach Antworten auf diese Frage. In fast zweijähriger Recherche, die mich auch in das Herz der Millionen-Metropole Beijing führte, fand ich heraus, wie interkultureller Dialog, Lernbereitschaft und Offenheit im Denken zum Treibstoff einer Unternehmensidee werden konnten.


Ist heute die Rede von industriellem Wachstum, so richten sich die Augen meist nach China. Zu den österreichischen Industrie-Pionieren in der heute zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zählt die AICHELIN Group – weltweit führend in der Herstellung von Wärmebehandlungsanlagen. Seit 1997 ist das Unternehmen Teil der Berndorf Gruppe mit Konzernzentrale im Triestingtal.
„Vom Schafhirten zum CEO“ – das Leben ist ein Abenteuer
Im Juli 2025 wurden „40 Jahre AICHELIN China“ in Beijing gefeiert und das Buch „SUNRise in Beijing“ vorgestellt, in dem ich den Aufstieg des Unternehmens aus der Perspektive des ersten chinesischen Mitarbeiters Mr. Sun YeFan erzählen konnte. Auf 184 Seiten (Sprache: E/CHN – eine digitale deutsche Fassung sende ich gerne zu) präsentiert das im Auftrag der Berndorf AG produzierte Buch die chinesische Unternehmensgeschichte, die eng mit dem persönlichen Wirken Mr. Suns verknüpft ist.

Bei der Buch-Präsentation würdigte Berndorf AG-CEO Franz Viehböck (re.) den beruflichen und persönlichen Lebensweg des Jubilars Mr. Sun YeFan (li.) und gratulierte: „Wann auch immer ihm das Leben eine schwierige Aufgabe gestellt hat – Mr. Sun YeFan hat sich jedes Mal dafür entschieden, Teil der Lösung und nicht Teil des Problems zu sein.“ Foto: (c) AICHELIN
Aufgewachsen in Beijing zog Mr. Sun YeFan zur Zeit der Kulturrevolution in den 1960er-Jahren in die Innere Mongolei, um dort als Schafhirte im Zelt zu leben und zu arbeiten. Dass ihn sein Lebensweg von dort – über teils abenteuerliche Lebensstationen – schließlich bis hin zum Industrie-CEO führte, ist Teil der (fast) unglaubliche Start-Up-Geschichte von AICHELIN China. Sie im Buch zum Unternehmens-Jubiläum erzählen zu können, haben mir verschiedene Interviews mit Mr. Sun YeFan selbst sowie mit Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern aus Österreich und China möglich gemacht.

Meine Begegnungen mit Mr. Sun YeFan empfand ich sehr produktiv: „Dass wir uns insgesamt sechs Mal für Recherche-Gespräche ohne zeitliche oder inhaltliche Limits treffen konnten, ließ ein sehr persönliches Buch entstehen.“
Von 1984 an, als AICHELIN Österreich mit einem Großauftrag für 8 Wärmebehandlungsanlagen in China startete, prägte Mr. Sun YeFan über drei Jahrzehnte lang die Entwicklung des Unternehmens. Die einstige Verkaufsrepräsentanz von AICHELIN in Beijing konnte so zum Marktführer für Industrieofen-Anlagenbau und Automatisierungen in China werden. Heute sind rund 550 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der chinesischen Hauptstadt beschäftigt, mehr als 1.500 Anlagen wurden bislang für Branchen von Automotive bis Luftfahrt gefertigt.

Als erster und lange Zeit einziger Mitarbeiter von AICHELIN China gelang es Mr. Sun YeFan seinen Enthusiasmus für Technik, Kundenbetreuung und Geschäftssinn zu einer Art „Start-Up-Kultur“ für den Industrieofenbau zu formen. Mit Führungsqualität und enormer Kommunikationsstärke übertrug er diese Philosophie im Laufe der Jahre auf hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Verkauf, Entwicklung und Produktion.
How to „Start Up“: Austausch fördern, Ideen produzieren
Mr. Sun YeFan, der sich ohne Schulabschluss selbst zwei Sprachen – Learning by Doing – beibrachte, bringt im Gespräch seine Kommunikationsphilosophie auf den Punkt: „In der Sprache geht es nicht um Perfektion, sondern um den Austausch von Ideen. Sprache ist dann nützlich, wenn Sie Menschen verbindet.“
Sätze wie diese scheinen wie gemacht, um den Spirit eines StartUps anzutreiben. Sie verändern vieles, wenn sich zwei Menschen zum ersten Mal begegnen – und sie gaben mir den Mut, meine Fragen an Mr. Sun zu formulieren. Seine Antworten hält das Buch „SUNRise in Beijing“ jetzt bereit.
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